Britta Widmann Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft
Durch Holz, Pappe oder Kunststoff schauen – das gelingt dem menschlichen Auge nicht. Was uns verborgen bleibt, macht ein kompaktes, modular aufgebautes Radar sichtbar: Der Millimeterwellensensor durchdringt nicht transparente Stoffe. Er sendet im Hochfrequenzbereich zwischen 75 und 110 GHz und eignet sich für unterschiedlichste Anwendungsbereiche – von der Flugsicherheit über die Logistik und Industriesensorik bis hin zur Medizintechnik. Einen Prototyp des Radars präsentieren Fraunhofer-Forscher vom 8. bis 12. April auf der Hannover Messe in Halle 2, Stand D18.
Langsam, ganz langsam nähert sich der Rettungshubschrauber der Bergwacht der Unfallstelle. Kurz zuvor war ein Notruf von zwei Schneeschuhwanderern am Stützpunkt eingegangen. Einer der beiden Männer hatte sich verletzt, ein Abstieg war nicht mehr möglich. Vorsichtig setzt der Pilot zur Landung an. Ein riskantes Manöver – Neuschnee erschwert den Landeanflug. Durch den Rotorabwind wird der weiche, lockere Schnee aufgewirbelt, binnen Sekunden bildet sich eine Schneeglocke um den Hubschrauber. Bei diesem Whiteout verliert der Pilot jeden Bezugspunkt, er weiß nicht mehr, ob es bergauf oder bergab geht. Künftig sollen solche schwierigen Landemanöver problemlos gelingen: Forscher vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF, für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM entwickeln gemeinsam ein Radar, das trotz Schneewolken, Staub oder Nebel exakte Höhen- und Bodenabstandsdaten als Landehilfe liefert. Dieses Radar arbeitet mit Millimeterwellen im Frequenzbereich von 75 bis 110 GHz – dem W-Band – und kann selbst bei schwierigen Sichtverhältnissen auch kleine Objekte aus der Distanz erkennen. Die Reichweite beträgt bis zu drei Kilometer. Im Gegensatz zu optischen Sensoren durchleuchtet der Millimeterwellensensor alle dielektrischen, also elektrisch schwach- oder nichtleitenden, nichtmetallischen und nicht transparenten Stoffe wie Kleidung, Kunststoffplatten, Papier, Holz oder eben Schnee und Nebel.